Frankfurter Rundschau
23.02.2001
Von Anne Christiane Wiegand
Vom Unterschied zwischen
Offerte und Rechnung
Ermittlungen gegen Eschborner Briefkastenfirma
Die Eschborner Firma DeTeleMedien hat bundesweit Eintragungsofferten versandt, die den Rechnungen der Telekom-Tochter DeTeMedien GmbH täuschend ähnlich sehen. Letztere hat Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt erstattet.
MAIN-TAUNUS-KREIS. Als er das Angebot der DeTeleMedien Verlags GmbH sah, schöpfte ein Kelkheimer Firmeninhaber Verdacht. Die Eschborner Firma bot ihm an: "Durch Bezahlung der unten angegebenen Eintragungskosten erhalten Sie Ihren Firmeneintrag in dem jährlich erscheinenden, umseitig näher bezeichneten Informationsdienst. Diese Eintragungsofferte gilt bei Annahme gleichzeitig als Rechnung." Das Schreiben ähnelte Rechnungen der Frankfurter Telekom-Tochter Deutsche Telekom Medien (DeTeMedien), die werbliche Einträge ins Branchentelefonbuch Gelbe Seiten verkauft.
Der Preis von 881,60 Mark ließ den Kelkheimer misstrauisch werden; ebenso dass sich bei allen Versuchen, die Firma telefonisch zu erreichen, stets ein Anrufbeantworter gemeldet habe. Deshalb nahm er die Offerte nicht an, überwies kein Geld auf das angegebene Konto bei der Frankfurter Volksbank und informierte stattdessen die Kriminalpolizei in Hofheim, weil er "einen Betrugsversuch vermutet".
In der Tat gestaltet es sich schwierig, mit der DeTeleMedien Verlags GmbH Kontakt aufzunehmen. Sie führt in der Offerte außer ihrer Anschrift (Mergenthalerallee 79-81, Eschborn) ein Postfach, eine Telefonnummer und einen Faxanschluss auf, ebenso eine E-Mail-Adresse und ihre Homepage im Internet. Doch unter der 0180er-Nummer verkündet nur eine freundliche Frauenstimme vom Band: "wws.DeTeleMedien.Verlags GmbH in Frankfurt-Eschborn. Unsere Mitarbeiter sind alle mit Kundenanfragen beschäftigt. Bitte versuchen Sie uns zu einem späteren Zeitpunkt zu erreichen oder senden Sie uns ein Telefax." Wer die Homepage im Internet aufruft, sieht lediglich eine leere Seite. Im Kleingedruckten wird zudem nicht genannt, bei welchem Amtsgericht die Firma im Handelsregister steht.
Die Kriminalpolizei in Hofheim hat inzwischen die Staatsanwaltschaft in Frankfurt eingeschaltet, denn außer dem Kelkheimer Unternehmer haben sich weitere etwa 25 besorgte Bürger gemeldet. Doch Kripo-Chef Clemens Lahr sagt, aus der Erfahrung früherer Jahre "haben wir keine Hoffnung, dass das Ganze in ein Ermittlungsverfahren mündet": In ähnlichen Fällen habe es geheißen, es handle sich nicht um einen Betrugsversuch, weil man davon ausgehe, dass ein Kaufmann wisse, was eine Rechnung und was eine Offerte sei.
Dabei lehne die Staatsanwaltschaft sich an ein Urteil des Bundesgerichtshofs an, ergänzt Karl-Theo Beer. Der Kriminalhauptkommissar verweist darauf, dass solche Briefkastenfirmen stets nach einer bestimmten Masche vorgehen. Sie mieteten sich – wie im jüngsten Fall – in der Nähe des Sitzes der Deutschen Telekom an, machten ihre Briefe täuschend ähnlich auf, und nur wer alles genau lese, bemerke, dass es sich lediglich um eine Offerte und nicht um eine Rechnung handle. Darauf fielen aber immer wieder Leute rein, "die Firmen arbeiten in einer Grauzone".
Die Kripo hat auch den Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität (DSW) in Bad Homburg informiert. Der geht Wettbewerbsverstößen nach und leitet Abmahnverfahren gegen solche Firmen ein. Nach Auskunft von Rechtsanwalt Peter Solf hat der DSW der Eschborner DeTeleMedien bereits eine Abmahnung geschickt. Grundlage: Verstöße gegen die Paragrafen 1 und 3 des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb, also sittenwidrige Werbung und Irreführung. Denn die Aussendungen der Firma an Adressaten im ganzen Bundesgebiet hält der Verband "für hochgradig täuschend. Es wird der starke Eindruck erweckt, dass es sich um Kosten für Telefonbucheinträge handelt." Das Verfahren ist laut Solf noch nicht abgeschlossen, gegebenenfalls leitet der DSW gerichtliche Schritte ein.
Die Frankfurter DeTeMedien GmbH hat unterdessen bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen die DeTeleMedien Eschborn Strafanzeige erstattet: Das Unternehmen versuche im Gewand der Telekom-Tochter, dem potenziellen Kunden zu suggerieren, es gehe bei der Rechnungsstellung um einen Eintrag in die Gelben Seiten. Doch wie in vier weiteren Fällen handelt es sich laut Pressesprecherin Simone Balser "lediglich um Briefkastenfirmen, die auf Abzocke aus sind". DeTeMedien rät daher, solche Offerten genau zu prüfen. Wer bereits gezahlt hat, sollte sich an den DSW in Bad Homburg, die Verbraucherzentralen oder die zuständige Industrie- und Handelskammer wenden.
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